Purpose Economy

Purpose

In dem Projekt, das sich vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen und Multiplikatoren aus der Wirtschaft richtet, geht es darum, Purpose- und gemeinwohlorientiertes Wirtschaften aus Unternehmenssicht zu präsentieren, Faktoren zum nachhaltigen Lebensstil öffentlichkeitswirksam darzustellen und Maßnahmen für weniger Ressourcenverbrauch in den Unternehmen zu identifizieren. Das Vorhaben zielt auf das SDG „Nachhaltiger Konsum und Produktion“ ab. Dazu werden u.a. Best-Practice Beispiele, ein Podcast-Format sowie eine kollaborative Canvas mit online-gestütztem Entscheidungsbaum entwickelt. Das Projekt zielt auf Formate, die Expertise für die interessierten Unternehmen bündeln („Wenn ich mich im Themenfeld Purpose/ Postwachstum/ Suffizienz als Unternehmen engagieren möchte, wie fange ich an?“).

Das Projekt wird gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages.

Projektlaufzeit: 01.05.2021 – 31.12.2022

Logos BMUV UBA

Begriffsbestimmungen

Purpose bedeutet übersetzt Zweck, Zielsetzung oder Sinn. Im unternehmerischen Kontext meint der Begriff die Verfolgung einer tiefergehenden Unternehmensmission. Dies steht häufig im Gegensatz zum sogenannten Shareholder-Ansatz, in denen die Zufriedenstellung der Anteilseigner:innen und somit die Profitmaximierung alleine im Vordergrund stehen. Die Aussage von Milton Friedman „the only social responsibiltity of entrepreneurs is to increase their profits“ aus dem Jahre 1970 hat diese Einstellung von unternehmerischer Ausrichtung auf Jahrzehnte hin maßgeblich geprägt. Sie war und ist jedoch nicht „alternativlos“: Schon immer haben vor allem inhabergeführte Familienunternehmen neben der Gewinnerzielungsabsicht auch Ziele wie Zufriedenheit der Mitarbeitenden, gesellschaftliche Mit­gestaltung oder Förderung von Sport und Kultur verfolgt. Und die Pioniere der nachhaltigen Wirtschafts­weise zeichnen sich dadurch aus, dass sie die drei Bereiche Umwelt, Soziales und Wirtschaftlich­keit als gleichberechtigt nebeneinander betrachten. Immer mehr Unternehmen, die sich heute einem nachhaltigen Unternehmenszweck verschrieben haben, kehren ebenfalls dem traditionellen und rein kapitalistischen Wirtschaftsverständnis der Shareholder-Orientierung den Rücken zu und statuieren stattdessen gesellschaftliches und ökologisches Verantwortungsbewusstsein als Grundlage ihres Wirtschaftens.

Der Purpose verleiht der Firma eine breitere Daseinsberechtigung und versucht einen gesamt­gesellschaftlichen Beitrag zu beschreiben. Die moderne Nachhaltigkeitstheorie spricht hier von einer „license to operate“: Unternehmen und Organisationen müssen heute eine ethische Rechtfertigung geben können, warum und auf welche Weise sie umfassend zu einer nachhaltigen Zukunft auch für kommende Generationen beitragen. Aaron Hurst, Autor des Buches „The Purpose Economy“, unterscheidet dabei zwischen drei Organisationstypen:

  • Value-driven (Werte des Unternehmens stehen im Zentrum)
  • Excellence-driven (Ziel sind qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen)
  • Impact-driven (Auswirkungen der Organisation auf die Stakeholder)

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Als Postwachstum oder auch Degrowth wird eine Wirtschaftsweise bzw. Gesellschaftsform bezeichnet, die angesichts der planetaren Grenzen eine Abkehr vom Paradigma des Wirtschaftswachstums fordert. Dazu sollen Produktion und Konsum in den Industrieländern reduziert werden. Ziel ist eine ökologisch nachhaltigere und sozial gerechtere Gesellschaft. In einigen Richtungen der Postwachstums-Theorie wird zudem gefordert, dass demokratischen Entscheidungsformen so ausgebaut werden sollen, dass alle gleichermaßen politisch mitbestimmen können. Hier spielt der Gedanke eine wichtige Rolle, die Macht der Großkonzerne angemessen zu beschneiden und für Gerechtigkeit in der Beteiligung an demokratischen Prozessen zu sorgen.

Ein zentraler Aspekt ist auch die Orientierung an Suffizienz, da nur bei schrumpfender Wirtschafts­leistung oder höherer Effizienz der Umweltverbrauch verringert werden kann. Postwachstum baut auf Solidarität, Kooperation und Achtsamkeit auf, in der der Mensch und sein Handeln als Teil des Ökosystems verstanden wird und somit die Achtung planetarer Grenzen unabdinglich wird.  Begründet wurde die „degrowth“-Bewegung von Serge Latouche, die erste internationale Konferenz fand 2008 in Paris statt. In Deutschland wird oftmals synonym von Post-Wachstum gesprochen.

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-> Donut-Ökonomie

Die Donut-Ökonomie nach Kate Raworth stellt als wirtschaftswissenschaftliche Theorie ein Modell mit drei Ringen auf. Zentral sind die planetaren und sozialen Grenzen – von dort aus verortet Kate Raworth einen sicheren und gerechten Handlungsraum für eine menschliche Zivilisation. In der Donut-Ökonomie ist die Wirtschaft ein Mittel zum Zweck der Erfüllung von Bedürfnissen. Sie darf allerdings nicht die ökologischen Grenzen überschreiten und auch keine gesellschaftlichen Notsituationen oder menschliche Katastrophen schaffen.

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-> Vorsorgeorientierte Postwachstumsposition

Die „vorsorgeorientierte Postwachstumsposition“ (vgl. UBA) unterscheidet sich insoweit von der Degrowth-Position, als dass die Vertreter:innen nicht zwingend davon ausgehen, dass die Senkung des BIP pro Kopf eine Grundvoraussetzung für eine sozial-ökologische Transformation sei. Gleichzeitig widersprechen sie der „Green-Growth“-Bewegung, die davon überzeugt ist, dass weiteres Wirtschafts­wachstum möglich ist, sofern dieses nur „grün“ sei.

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Der Begriff Suffizienz wird aus dem lateinischen „sufficere“ – genügend bzw. ausreichend – abgeleitet: consume and produce less! Er bezeichnet eine grundlegende Nachhaltigkeitsstrategie, mit der eine bewusste und beabsichtigte Verringerung des Bedarfes an Konsumgütern, an Energien fossiler Herkunft, an endlichen Rohstoffen und an Fläche erreicht werden soll. Dies wird unter anderem durch die Änderung von Konsummustern erreicht (z.B. Bahn- statt Flugreisen, vgl. UBA 2018). Dabei kann Suffizienz zum einen Potentiale zur Einsparung von Emissionen heben, aber gleichzeitig auch „Veränderungen hin zu einer klimaverträglichen Gesellschaft“ bewirken (vgl. UBA, S. 11).

Näher definiert als Öko-Suffizienz wird eine Strategie oder Verhaltensweise bezeichnet, die sich darauf konzentriert die planetaren Grenzen einzuhalten. In der Suffizienz-Debatte wird davon ausgegangen, dass unendliches Wachstum nicht mit der Respektierung der ökologischen und Leistungs- und Produktionsfähigkeiten des Planten möglich ist.  Auch im unternehmerischen Bereich kommen Suffizienz-Strategien zunehmend zum Tragen. Beispielhaft kann an dieser Stelle die Einführung von Carsharing-Modellen durch Automobilhersteller angeführt werden (vgl. Palzkill/Schneidewind, 2012). Suffizienzpolitik kann diese Maßnahmen flankieren, zum Beispiel durch die Abschaffung des Dienstwagen-Privilegs.

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Verantwortungseigentum ist eine Alternative zu herkömmlichen Eigentumsstrukturen. Es bedeutet, dass die Kontrolle über das Unternehmen und strategische Entscheidungen in Händen von Menschen bleiben, die im Unternehmen tätig oder eng mit demselben verbunden sind. Hierbei existieren zwei zentrale Prinzipien.

  • Das Selbstbestimmungsprinzip: Es stellt sicher, dass Unternehmenswerte langfristig getragen, Stimmrechte nicht automatisch weitervererbt und somit Unternehmen nicht zu Spekulations­gütern werden.
  • Das Sinnprinzip: Es sorgt dafür, dass die Gewinne und Vermögen hauptsächlich für die Unternehmens­entwicklung verwendet und reinvestiert oder gespendet werden. 2019 gründete sich hierzu die „Stiftung Verantwortungseigentum“, mit dem Ziel eine Rechtsform zu etablieren, mit Hilfe derer Unternehmen in Verantwortungseigentum überführt werden können. In Deutschland befinden sich bereits über 200 Unternehmen in Verantwortungseigentum, wie z.B. Ecosia, Zeiss oder Alnatura.

 

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Gemeinwohlökonomie bezeichnet ein Wirtschaftssystem, das auf gemeinwohl-fördernden Werten wie Solidarität, Menschenrechten und der Anerkennung wissenschaftlicher Fakten, z.B. bezüglich der planetaren Grenzen, aufgebaut ist. Die Wirtschaft dient dem Gemeinwohl und nicht der Profitmaximierung, das heißt Ungleichheiten sollen soweit wie möglich reduziert und das Wohlergehen der zukünftigen Generationen mitgedacht werden. Dabei führt die Unternehmens­tätigkeit zu innovativen Lösungen, entfaltet sich in unterschiedlichen Rechtsformen und humanen Betriebsgrößen und trägt zu resilienten Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen bei.

2010 hat sich aus dieser Vision eine Bewegung aus Unternehmen, Gemeinden und Organisationen formiert, die eine Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft fordern. Viele der Unternehmen, die sich der GWÖ verschrieben haben, erstellen eine sogenannte Gemeinwohl-Bilanz. Diese soll Auskunft darüber geben, wie die Unternehmen die Werte „Menschenwürde”, „Solidarität”, „Ökologische Nachhaltigkeit”, „Soziale Gerechtigkeit” und „Demokratische Mitbestimmung & Transparenz” in der Praxis berücksichtigen.

Als Social Entrepreneurs bzw. Sozialunternehmen bezeichnet man unternehmerisch tätige Organisationen, die sich sozialen oder ökologischen Themen bzw. Problemstellungen verschrieben haben. Oft, aber nicht immer, sind diese Unternehmen gemeinnützig organisiert und es besteht keine Gewinnerzielungsabsicht bzw. die Gewinne werden in soziale Projekte investiert.

Die Europäische Kommission definiert soziales Unternehmertum / Sozialunternehmen anhand von drei Merkmalen:

  • Für das Unternehmen zählen eher die gesellschaftlichen Auswirkungen als die Erwirtschaftung von Gewinn für seine Eigentümer bzw. Anteilseigner.
  • Die Gewinne werden überwiegend zur Erlangung der gesellschaftlichen Ziele eingesetzt.
  • Sozialunternehmer:innen führen das Unternehmen in der Regel „auf verantwortliche, transparente und innovative Weise, insbesondere durch Einbindung von Arbeitnehmer:innen, Kund:innenen und den von der Unternehmenstätigkeit betroffenen Interessengruppen“. (vgl. Europäische Kommission).

Bei der Definition der KfW steht die „soziale Mission“ im Unternehmenszweck als Kriterium an vorderster Stelle. Die Anzahl der Sozialunternehmen lag im Jahr 2017 bei 108.000 (vgl. KfW). Das Konzept der Sozialunternehmen gibt es bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts, in den 2000ern erlangte es durch die Vergabe des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus neue Bekanntheit.

Das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e. V. (SEND) und das Euclid Network geben den Deutschen Social Entrepreneurship Monitor (DESM) heraus. In der Studie werden Sozialunternehmer:innen nach dem Status ihrer Organisation befragt. Auf diese Weise können die Potentiale, Bedürfnisse und Herausforderungen von Social Entrepreneurs besser verstanden werden.

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Mikrofon

BNW Purpose Podcast

Der BNWPurpose Podcast ist in Kooperation mit den Podcastexperten der Fabrik für Immer entstanden. In 10 spannenden Folgen können Interessierte praxisnah mehr über purpose-orientiertes Wirtschaften erfahren. Dabei geht es um Themen wie Postwachstum, Gemeinwohlorientierung und Purpose. Außerdem wird mit Expert:innen und Unternehmer:innen der Frage nachgegangen, wie Purpose-Orientierung zu mehr Resilienz führen kann. Mit dabei unter anderem: Antje von Dewitz (VAUDE), Dr. Kora Kristof (Umweltbundesamt) und Michael Hetzer (Elobau).

Zum BNW Purpose Podcast

BNWPurpose Best-Practices, Interviews und Impulse

In der Serie zum Purpose- und gemeinwohlorientierten Wirtschaften stellt der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft Unternehmen vor, die sich gegen ein rein gewinnmaximierendes Modell entschieden haben. Außerdem sprechen wir mit Expert:innen über die Themen gemeinwohlorientiertes Wirtschaften, Postwachstum & Suffizienz.

BNW Purpose Veranstaltungen

Im Rahmen des BNWPurpose Projekts veranstalten wir Diskussionsformate, die sich um die Themen Suffizienz, Purpose Economy und Gemeinwohlorientierung drehen. Dazu laden wir Expert:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft ein:

Warum verschenken Inhaber:innen ihr Unternehmen?

Bei der Diskussionsveranstaltung vom 15.06.22 berichten Alma Spribille (WeTell & BNW-Vorständin), Katharina Hupfer (Waschbär Umweltversand & BNW-Mitglied), Mathias Kollmann (Bohlsener Mühle & BNW-Vorstand) und Daria Urman (Purpose Stiftung) zu den Themen Verantwortungseigentum, Purpose und Stiftungslösungen. Und beantworten die Fragen: Warum wagen Sozialunternehmen den Schritt? Und welcher Anreiz überzeugt Unternehmer:innen ihre Unternehmensanteile abzugeben?
Warum verschenken Inhaber:innen ihr Unternehmen?

 

Wie bringe ich meine KundInnen dazu, weniger zu kaufen?

Statt große Marketingkampagnen zu schalten, die zu mehr Konsum anregen, fordern immer mehr Unternehmen ihre Kund:innen dazu auf, weniger zu konsumieren. Doch ist das praktisch überhaupt umsetzbar und schaden sich Unternehmen dadurch nicht selbst? Welche Maßnahmen haben sie umgesetzt und welche Wirkung kann dadurch erzielt werden? Diese Fragen und mehr diskutierten die Teilnehmenden der Veranstaltung „Wie bringe ich meine Kund:innen dazu, weniger zu kaufen?“ mit Maike Gossen (TU Berlin) und Stefanie Jannsen (EWS Schönau).
Wie bringe ich meine Kund:innen dazu, weniger zu kaufen?

 

Wie werde ich Purpose Unternehmen?

WEtell (BNW-Mitglied und im BNW-Vorstand) macht Mobilfunk nachhaltig: Erfolgreiches Crowdinvest, seit kurzem GWÖ-bilanziert und bald Purpose Unternehmen. Co-Founder Andreas Schmucker berichtet zum Wandel von klassischer hin zur Purpose Unternehmung.

TapTree ermöglicht bargeldlose Zahlungen – online und vor Ort. Dabei fördern sie Klimaschutzprojekte weltweit gleich mit ohne dass wir es merken. Das Gründer:innen-Team hat TapTree direkt als Purpose Unternehmen gegründet! Was dabei zu beachten war, wo die Vorteile und Herausforderungen liegen, berichtet Mitgründerin Florentine Arend.
Wie werde ich Purpose Unternehmen?

Ansprechpartnerin

Franziska Keich
Leitung Geschäftsstelle, Mitgliederbetreuung und Referentin für Klimaschutzprojekte

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